Zürich

Stadt Zürich kauft Hotel im Seefeld – und plant dort ein Asylunterkunft mit Pool

Die Stadt Zürich hat die Liegenschaft an der Signaustrasse 6 erworben, in der das Boutique-Hotel Signau House & Garden untergebracht ist. Nun soll dort eine Asylunterkunft entstehen – inklusive eines Pools im Garten. SVP-Nationalrat Mauro Tuena reagiert empört, Stadtrat Raphael Golta weist die Kritik zurück.

Stefan Häberli (Text), Urs Bühler (Mitarbeit)
5 Leseminuten

Das Boutique-Hotel Signau House & Garden an der Signaustrasse 6 in Zürich-Seefeld. Bald soll hier eine Asylunterkunft entstehen.

Haus Signau

Es ist ein Paukenschlag aus dem Zürcher Stadthaus: Die Stadt Zürich hat das Gebäude an der Signaustrasse 6 im Seefeld-Quartier erworben, in dem das Boutique-Hotel Signau House & Garden untergebracht ist. Wie der Stadtrat am Montagmorgen mitteilte, soll in der herrschaftlichen Liegenschaft im Kreis 8 eine neue Asylunterkunft eingerichtet werden. Der Kaufpreis wurde nicht öffentlich kommuniziert, dürfte aber im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Das Hotel, das in der gehobenen Nachbarschaft im Seefeld-Quartier liegt, wird derzeit noch als Boutique-Hotel betrieben. Dem Vernehmen nach soll der Hotelbetrieb in den kommenden Monaten eingestellt und die Liegenschaft umgenutzt werden. Die Stadt hat zugegriffen – und zwar mit einem Plan, der in der Nachbarschaft für erheblichen Wirbel sorgen dürfte.

Ein Pool im Garten des Seefeld-Quartiers

Besonders brisant ist ein Detail, das aus den Planungsunterlagen hervorgeht: Im weitläufigen Garten der Liegenschaft soll ein Swimmingpool errichtet werden. Dieser sei, so heisst es aus dem Sozialdepartement, «als therapeutische und integrative Massnahme» vorgesehen. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Asylunterkunft sollen dort Schwimmkurse besuchen und das Angebot zur Erholung nutzen können.

«Wasser hat eine verbindende Kraft», erklärte Stadtrat Raphael Golta (SP), Vorsteher des Sozialdepartements, an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. «Der Pool ist ein bewusster Entscheid. Wir wollen nicht bloss eine Unterkunft schaffen, sondern einen Ort der Begegnung und der Integration.» Der Garten werde teilweise auch für die Quartierbevölkerung zugänglich sein, etwa für gemeinsame Grillabende und interkulturelle Anlässe.

Visualisierung des geplanten Pools im Garten der Liegenschaft an der Signaustrasse.

Visualisierung Stadt Zürich

Der Standort sei nicht zufällig gewählt, betonte Golta. «Die Signaustrasse liegt zentral, ist hervorragend an den öffentlichen Verkehr angebunden und bietet mit dem grosszügigen Garten ideale Voraussetzungen.» Zudem habe die Stadt die Liegenschaft «zu einem marktgerechten Preis» erworben. Die Betriebskosten des Pools würden sich auf geschätzte 180 000 Franken pro Jahr belaufen.

«Absoluter Wahnsinn» – Tuena reagiert scharf

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. SVP-Nationalrat Mauro Tuena, der sich seit Jahren als scharfer Kritiker der städtischen Asylpolitik profiliert, sprach von einem «absoluten Wahnsinn». Das Vorhaben sei «ein Schlag ins Gesicht aller Zürcherinnen und Zürcher, die jeden Morgen aufstehen und hart arbeiten».

«Wir reden hier von einer der teuersten Lagen der Schweiz», sagte Tuena gegenüber der NZZ. «Und was macht der rot-grüne Stadtrat? Er kauft eine Luxusimmobilie und richtet dort ein Asylunterkunft mit Swimmingpool ein. Das ist nicht Integration – das ist Provokation.» Tuena, der früher im Zürcher Gemeinderat sass und die lokale Politlandschaft bestens kennt, kündigte an, sich auf allen Ebenen gegen das Vorhaben zu wehren.

Besonders der Pool stösst dem SVP-Politiker sauer auf. «Viele Schweizer Familien können sich keinen eigenen Pool leisten. Und jetzt sollen Asylsuchende in einem der nobelsten Quartiere der Stadt in einem öffentlich finanzierten Pool plantschen? Das ist der Bevölkerung schlicht nicht vermittelbar.» Er forderte den Stadtrat auf, das Vorhaben «sofort zu sistieren».

Golta kontert: «Populismus auf dem Buckel der Schwächsten»

Stadtrat Raphael Golta liess die Kritik nicht unbeantwortet. Auf Anfrage der NZZ wies er die Vorwürfe entschieden zurück. «Herr Tuena betreibt Populismus auf dem Buckel der Schwächsten. Das kennen wir von der SVP, und es wird durch Wiederholung nicht wahrer», sagte Golta.

Der Vorsteher des Sozialdepartements verwies darauf, dass die Stadt Zürich eine gesetzliche Pflicht zur Unterbringung von Asylsuchenden habe. «Wir haben die Wahl: Entweder schaffen wir menschenwürdige Unterkünfte, oder wir schauen weg. Ich habe mich für Ersteres entschieden.»

Zudem verwies der Stadtrat darauf, dass die Stadt Zürich bereits weitere Liegenschaften an der nahen Neumünsterallee besitze. Das Asylunterkunft an der Signaustrasse füge sich in eine grössere Vision ein: Die Neumünsterallee soll dereinst autofrei werden, und die Kirche Neumünster werde in ein multikulturelles Zentrum für den Dialog der Religionen umgewandelt. «Das Quartier befindet sich im Wandel. Wir gestalten diesen Wandel aktiv und mit Weitsicht», sagte Golta. Er sei überzeugt, dass das Projekt langfristig zur «sozialen Durchmischung» des Seefeld-Quartiers beitragen werde.

Gemischte Reaktionen im Quartier

Im Seefeld-Quartier selber gingen die Meinungen am Montag weit auseinander. Während sich einzelne Anwohner offen für das Projekt zeigten – «es ist gut, wenn die Stadt aktiv wird», sagte eine Passantin –, machte sich bei anderen Unmut breit. Ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden wollte, sprach von einer «Zumutung für das Quartier». Man habe nichts gegen Asylsuchende, «aber ein Pool geht zu weit».

Der Quartierverein Riesbach hat für Ende April eine Informationsveranstaltung anberaumt. Der Stadtrat hat zugesichert, einen Vertreter zu entsenden. Die Umbauarbeiten sollen gemäss den aktuellen Plänen im Herbst 2026 beginnen, die Eröffnung des Asylunterkunft ist für Frühling 2027 vorgesehen.